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Diese Sportarten wurden in Deutschland erfunden
Welche Sportarten wurden eigentlich in Deutschland erfunden? Bei einer der seltsamsten beginnt die Geschichte 1921 im Militärgefängnis von Mainz, die Stadt war damals französisch besetzt. Dort saß Otto Feick und erinnerte sich an seine Kindheit in der Pfalz. Als Kind war er in zwei verbundenen Wagenreifen vor der Schmiede seines Großvaters in Reichenbach den Berg hinuntergerollt.

Das Rad aus der Rhön
In der Haft dachte sich Feick ein Sportgerät aus. Gebaut hat er es erst danach, in Ludwigshafen. 1923 wiesen die französischen Besatzer ihn mit vielen anderen Eisenbahnern aus der Pfalz aus, und er zog in die Heimat seiner Frau nach Schönau an der Brend in der Rhön. Von dort meldete er 1925 sein „Reifenturn- und -sportgerät“ zum Patent an. Den Namen „Rhönrad“ ließ er erst 1926 schützen. Benannt ist das Rad also nach dem Ort, an dem Feick gelandet war. Ausgedacht hatte er es sich in Mainz.
Was auf dem Turnplatz anfing
Handball und Prellball kommen beide aus dem Turnen. Und die Turnbewegung hat ein Geburtsdatum, den 19. Juni 1811. An diesem Tag fing Friedrich Ludwig Jahn auf der Hasenheide in Berlin mit dem öffentlichen Turnen an, auf einem Turnplatz, den er dort hatte bauen lassen. Reck und Barren kamen durch ihn dazu.
Handball
Max Heiser war Oberturnwart in Berlin und suchte ein Spiel, bei dem sich Mädchen austoben konnten. Fußball war ihm zu körperbetont. 1915 entwarf er für Frauen das Spiel „Torball“, ganz ohne Körperkontakt. Am 29. Oktober 1917 legte er fest, dass es künftig „Handball“ heißen sollte, und schrieb feste Regeln dazu. Dieser Tag gilt heute als Geburtstag des Handballs.
Zwei Jahre später machte der Berliner Turnlehrer Carl Schelenz das Spiel auch für Jungen und Männer interessant. Er erlaubte Zweikämpfe und nahm einen kleineren Ball. Ganz allein haben die Berliner den Handball trotzdem nicht erfunden, denn der dänische Lehrer Holger Louis Nielsen hatte schon 1898 ein erstes Regelwerk für Handball geschrieben. Olympisch war der Feldhandball nur ein einziges Mal, 1936 in Berlin.
Prellball
Prellball fing bescheidener an. Turner nutzten einen Ball, um ihre Übungsstunden aufzulockern, und spielten über eine umgedrehte Turnbank. Die ersten Hinweise darauf stammen aus den Jahren 1925 und 1926, ein genaues Datum ist nicht überliefert. Heute teilt eine Leine oder ein schmales Netz in 40 Zentimetern Höhe das Feld. Der Ball wird mit der Faust oder dem Unterarm auf den Boden der eigenen Hälfte geprellt und muss von dort hinüberspringen. Die offiziellen Regeln kommen vom Deutschen Turner-Bund. Ligen gibt es bis zur Altersklasse 60+.
Groß geworden in Deutschland, erfunden woanders
Beim Faustball weiß niemand genau, wann und wo es entstanden ist. Die Wurzeln vermutet man im Süden Europas. In Deutschland führte Georg Weber das Spiel 1870 ein. Gespielt haben es hier vor allem Turner, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekam es ein erstes deutsches Regelwerk.
Bei Indiaca lässt sich der Weg genauer verfolgen. 1936 ging der Kölner Sportlehrer Karlhans Krohn an der Copacabana in Rio de Janeiro spazieren und sah Jugendlichen beim Peteca zu. Das Spiel nahm er mit nach Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte man Indiaca zuerst in der kirchlichen Jugendarbeit und im CVJM. Heute ist der Deutsche Turner-Bund der Fachverband.
Die jüngeren Erfindungen
Unterwasser-Rugby
In den 1960er Jahren kamen Taucher des Tauch-Sport-Clubs Mülheim-Ruhr auf die Idee, unter Wasser Ball zu spielen. Erst hängten sie ein Netz ins Becken und spielten eine Art Unterwasser-Volleyball. Kurz darauf lagen stattdessen Metallkörbe auf dem Beckenboden. Das erste offizielle Spiel bestritten 1964 die Tauchgruppe der DLRG Mülheim an der Ruhr und der DUC Duisburg. Weil der Ball mit Salzwasser gefüllt ist, sinkt er. Man spielt meist im Sprungbecken, in 3,5 bis 5 Metern Tiefe.
Crossminton
Badminton draußen spielen, ohne Netz. Das wollte der Berliner Bill Brandes. Um 2000 erfand er die Grundzüge des Spiels und den Ball dazu, kleiner und etwas schwerer als ein Federball. Die Speedminton GmbH machte daraus Crossminton, und der Ball heißt heute Speeder. Gespielt wird zwischen zwei Quadraten von 5,50 mal 5,50 Metern, die 12,8 Meter auseinanderliegen. Das ist genau der Abstand der T-Linien auf einem Tennisplatz.
Headis
Im Freibad Waschmühle in Kaiserslautern war 2006 der Fußballplatz belegt, und so ist Headis entstanden. Erfunden hat es René Wegner, damals Sportstudent in Saarbrücken, wie die Rheinpfalz im Juni 2025 berichtete. Die Tischtennisplatte war nämlich frei, also spielte man den Ball nur mit dem Kopf über das Netz. Bis heute wird an normalen Tischtennistischen gespielt, nur mit einem 100 Gramm schweren Gummiball, deshalb ist das Netz aus Metall. Ab 2008 gab es Kurse im Hochschulsport der Universität des Saarlandes, und über die Studentenszene verbreitete sich das Spiel.
Wie in Neustadt am Rübenberge eine Sportart erfunden wurde
Die Geschichte von Kreiselball beginnt 2010 in einem Gesundheitskurs in Neustadt am Rübenberge, Region Hannover. Patrick Holz dachte sich dort eine Koordinationsübung aus, und nach wenigen Wochen hatte das Spiel einen eigenen Kurs. 2011 stand man auf einem Feld von 4 mal 2 Metern, in der Mitte lag eine Weichbodenmatte. Ende des Jahres gab es das erste Einzelturnier, mit 20 Spielern. Ein richtiges Netz kam erst 2013. (Mit dem Computerspiel „KreiselBall“ hat das Ganze nichts zu tun.)
Beim ersten Aufschlag merkst du, dass der Schläger eigentlich keiner ist. Es ist ein Kreisel aus dem Gleichgewichtstraining, eine Scheibe ohne Griff, auf einer Seite rund, auf der anderen flach. Den Kreisel hältst du nach Sekunden richtig, und zwar immer mit beiden Händen. Mit einer Hand zu schlagen ist nicht erlaubt. Vor dem Aufschlag stehst du außerhalb des Feldes. Abspringen darfst du, auf die Linie treten nicht. Das Netz hängt auf 1,10 Meter, das Feld misst 10 mal 4,50 Meter. Der Ball ist weich. Wer von ihm getroffen wird, gibt trotzdem einen Punkt ab.
Wer andere Sportarten mit Netz und Ball kennt, sucht als Nächstes die Aufschlagfelder. Es gibt keine, der Ball muss nur übers Netz.
Im Einzel muss nur der Aufschlag im gegnerischen Feld einmal aufspringen. Danach ist es egal, ob du den Ball direkt zurückspielst oder ihn erst aufspringen lässt. Gespielt wird bis 25 Punkte.
Im Doppel ist es strenger. Der Ball muss nach jedem Schlag im gegnerischen Feld aufspringen, nicht nur beim Aufschlag, und die beiden Partner schlagen immer im Wechsel. Ein Doppel geht bis 19 Punkte. Was gilt, wenn der Ball die Netzkante oder die Hallendecke berührt, klären die Regeln von Kreiselball.
In Neustadt stehen Leute von elf bis über 70 Jahren auf dem Feld. Das Spiel ist langsam genug, dass jeder die Bälle erreicht, und es wird schneller, je besser ihr spielt. Empfohlen ist Kreiselball ab etwa acht Jahren. Für den Anfang braucht ihr nicht einmal ein Netz, Turnbänke in der Mitte reichen.
2021 nahm der TSV Neustadt Kreiselball als erster Verein ins Programm. „Kreiselball wurde 2010 bei uns in Neustadt am Rübenberge erfunden“, schreibt der Verein auf seiner Seite zum Kreiselball. Beim Kreiselball in Neustadt am Rübenberge machen heute über 60 Leute mit. Gespielt werden bis zu 1500 Spiele im Jahr.
2023 gab es 13 Standorte in drei Ländern, und im selben Jahr drehten NDR und SAT.1 Berichte. Heute sind es rund 25 Standorte in drei Ländern (Stand 2026). Den Podcast des Regionssportbunds Hannover und weitere Beiträge findest du unter Kreiselball in Presse und Video. Das Ziel ist ein Ort zum Spielen alle 10 bis 15 Kilometer, damit die Wege zum Training und zum Turnier kurz bleiben.
Kurz gefragt
Welche neu erfundenen Sportarten gibt es?
In Deutschland zum Beispiel Headis, das 2006 an einer Tischtennisplatte in Kaiserslautern entstand, und Kreiselball, das Patrick Holz 2010 in Neustadt am Rübenberge erfunden hat. Beide kommen ohne klassischen Schläger aus, beim Headis spielt man mit dem Kopf, beim Kreiselball mit einem Kreisel aus dem Gleichgewichtstraining.
Wurde Handball in Deutschland erfunden?
Zum Teil. Der Berliner Max Heiser benannte sein Spiel „Torball“ am 29. Oktober 1917 in „Handball“ um, deshalb gilt dieser Tag als Geburtstag des Handballs. Ein erstes Regelwerk hatte der Däne Holger Louis Nielsen aber schon 1898 geschrieben.
Wurde Faustball in Deutschland erfunden?
Nein. Woher Faustball stammt, ist nicht genau geklärt, vermutlich aus dem Süden Europas. Nach Deutschland kam es 1870 durch Georg Weber, gespielt wurde es hier vor allem von Turnern.
Wer hat Headis erfunden?
René Wegner, der 2006 in Saarbrücken Sport studierte. Im Freibad Waschmühle in Kaiserslautern war der Fußballplatz belegt, also spielte man an der Tischtennisplatte mit dem Kopf.
Wer hat das Rhönrad erfunden?
Otto Feick. Die Grundidee hatte er 1921 in Haft im französisch besetzten Mainz, als er sich an seine Kindheit erinnerte, in der er in zwei verbundenen Wagenreifen einen Berg hinuntergerollt war.
Wer hat Kreiselball erfunden?
Patrick Holz. Er erfand das Spiel 2010 als Koordinationsübung für einen Gesundheitskurs in Neustadt am Rübenberge, und seit 2021 spielt der TSV Neustadt als erster Verein Kreiselball.
Das Probetraining ist kostenlos, Kreisel und Ball bekommst du gestellt. Pack Sportkleidung und Sportschuhe ein und such dir in der Übersicht aller Standorte das nächste Feld.
Quellen
- Wikipedia: Turnen, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Friedrich Ludwig Jahn, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Handball, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Faustball, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Prellball, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Indiaca, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Rhönrad, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Unterwasser-Rugby, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Crossminton, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Headis, abgerufen am 08.10.2026
- Die Rheinpfalz, 27.06.2025, abgerufen am 08.10.2026
- TSV Neustadt: Kreiselball, abgerufen am 08.10.2026