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Trendsportarten für den Sportunterricht prüfen, bevor ihr bestellt
Eine neue Kiste im Geräteraum macht eine Klasse sofort neugierig. Ob aus Trendsportarten für den Sportunterricht mehr wird als eine schöne Doppelstunde, entscheidet sich aber oft schon vor der Bestellung. Wenn der Aufbau die halbe Stunde frisst oder nur vier Kinder gleichzeitig spielen können, liegt das Material bald ganz hinten im Regal. Wir haben ein paar Fragen gesammelt, die man vorher stellen sollte, und probieren sie an unserem eigenen Sport aus, dem Kreiselball aus Neustadt am Rübenberge.

Trendsportarten für den Sportunterricht sind kein neues Thema
Die Fachzeitschrift sportpädagogik hat dem Thema schon 2001 ein ganzes Heft „Trendsport“ gewidmet. Das Heft ist vergriffen, aber der Verlag beschreibt noch, was drinstand. Eckart Balz schrieb den Basisartikel „Trendsport in der Schule“ über Begründungen, Auswahlkriterien und Zielsetzungen, in der Praxis ging es unter anderem um Beachvolleyball und Rope Skipping.
Neun Jahre später kam das Heft „Trendsport macht Schule“ heraus. Was der Verlag damals dazu schrieb, hört man heute noch im Lehrerzimmer. In der Freizeit gehen die meisten Schülerinnen und Schüler „ihrem“ Sport nach, im Schulsport überwiegen bei manchen Desinteresse und Langeweile. Die Jugendlichen wollten „News im Schulsport“, und diese Lust sollten Lehrkräfte nutzen. Im Heft ging es unter anderem um Aussie Footy und die Slackline.
Unsere Fragen sind bescheidener. Sie gehören in den Moment, bevor die Bestellung rausgeht.
- Was müsst ihr kaufen, und was liegt schon im Geräteraum?
- Passt das Feld in eure Halle, so wie sie ist?
- Bleibt nach dem Aufbau genug Zeit zum Spielen?
- Kommt in der ersten Stunde die ganze Klasse zum Zug?
- Lassen sich die wichtigsten Regeln in ein paar Sätzen erklären?
- Zeigt euch jemand, wie es geht?
Was das Kerncurriculum in Niedersachsen verlangt
Kreiselball kommt aus Niedersachsen, und dort gilt das Kerncurriculum Sport für die Schuljahrgänge 5 bis 10. Im Bewegungsfeld „Spielen“ steht, dass bis Ende Jahrgang 9 mindestens ein Rückschlagspiel und ein Endzonenspiel dran sein müssen. Bis Ende Jahrgang 10 kommt ein weiteres Rückschlagspiel dazu. Als Beispiele nennt das Papier Volleyball, Badminton, Tischtennis und Tennis, bei den Endzonenspielen Ultimate Frisbee, Flag Football und Touch Rugby. Beide Aufzählungen enden mit „usw.“.
Für neue Spiele sind zwei andere Stellen im selben Bewegungsfeld interessanter. Dort geht es um das „Entwickeln und Erproben von eigenen Spielen“ und um das „Verändern von Rahmenbedingungen und Regeln“. Kreiselball selbst steht nicht im Kerncurriculum. Ob ihr es als Rückschlagspiel zählt, entscheidet ihr an eurer Schule. Wie es sich mit einer ganzen Klasse in eine Unterrichtsreihe einbauen lässt, beschreiben wir unter Rückschlagspiele in der Schule.
Kreiselball aus Neustadt am Rübenberge
Patrick Holz hat Kreiselball 2010 in Neustadt am Rübenberge erfunden, in der Region Hannover. Angefangen hat es als Übung in seinem Gesundheitskurs. Ein weicher Ball fliegt über ein Netz, aber statt eines Schlägers mit Griff hält jeder einen Kreisel mit beiden Händen. Eigentlich ist das ein Gleichgewichtsgerät. Das Regelwerk verlangt von ihm nur, dass er „eine runde und eine flache Seite und keine Handgriffe“ hat.
Empfohlen ist das Spiel ab etwa acht Jahren, und in Neustadt spielen Leute von elf bis über 70. Es ist langsam genug, dass man die Bälle erreicht, auch wenn man nicht so gut zu Fuß ist.
Beim Geld geht es vor allem um die Kreisel, denn jedes Kind auf dem Feld braucht einen. Er sollte 35 bis 45 Zentimeter Durchmesser haben. Wir empfehlen den GymTop Balancekreisel von Jakobs, den es zum Beispiel im Sportlädchen für etwa 30 Euro gibt. Der Ball ist ein Weichschaumball Volley Allround mit 18 Zentimetern Durchmesser und 145 Gramm. Er springt gut und kostet zum Beispiel bei Sport-Thieme etwa 24 Euro. Teuer wird es mit jedem weiteren Feld, weil ein Doppel vier Kreisel braucht. Schaut deshalb vorher ins Regal, vielleicht liegen bei euch schon Balancekreisel. Was ihr zu Netz und Feld wissen müsst, steht auf unserer Seite zur Kreiselball-Ausrüstung.
Das Feld misst 10 mal 4,50 Meter, das Netz hängt auf 1,10 Meter. Für den Anfang reicht ein Badmintonfeld, und statt eines Netzes tut es eine Turnbank. Draußen geht Kreiselball auf Tartan, Asche, Kunstrasen und Rasen. Der Aufbau dauert etwa zehn Minuten, der Abbau genauso lange, und weil alles mobil ist, könnt ihr an einem warmen Tag auch mal rausgehen.
In der ersten Stunde stellt ihr Turnbänke quer durch so viele Badmintonfelder, wie die Halle hergibt. Vier Kinder auf jedes Feld, jedes mit seinem Kreisel, dann kommt der erste Aufschlag. Den Kreisel hält man nach Sekunden richtig, denn ohne Griff ist die Haltung viel leichter als bei Sportarten mit Schlägergriff. Wer gerade kein Feld hat, steht an der Seitenlinie, zählt laut mit und passt auf die Linien auf, bis gewechselt wird.
Eine Lizenz braucht die Lehrkraft nicht. Wer das Spiel erst sehen will, holt das Kreiselball-Team für einen Kennenlerntag an die Schule. Wie das mit der Anfahrt zu Schulen läuft, klärt Patrick direkt mit euch.
Einzel und Doppel in ein paar Sätzen
Für die erste Stunde reichen wenige Regeln. Eine gilt immer, im Einzel wie im Doppel. Der Kreisel bleibt in beiden Händen, denn „ein Schlag mit einer Hand ist nicht erlaubt“, so steht es in Regel 5.
Im Einzel muss der Aufschlag im gegnerischen Feld einmal aufspringen, bevor er zurückgespielt wird. Im weiteren Ballwechsel ist es egal, ob der Ball einmal aufspringt oder direkt zurückgespielt wird. Gespielt wird bis 25 Punkte, und gewinnen kann nur, wer zwei Punkte vorn liegt. Steht es 24:24, endet das Einzel unentschieden.
Im Doppel ist es strenger. Der Ball muss nach jedem Schlag im gegnerischen Feld aufspringen, nicht nur beim Aufschlag. Die beiden aus einem Team schlagen immer im Wechsel. Ein Doppel geht bis 19 Punkte, wieder mit zwei Punkten Vorsprung. Bei 18:18 endet es unentschieden.
Das ganze Regelwerk hat sechs Seiten. Ihr findet es bei den Kreiselball-Regeln.
Vom Gesundheitskurs auf den Schulhof
2021 nahm der TSV Neustadt Kreiselball als erster Verein ins Programm, danach wollten auch Stadtfeste und Schulen den Sport sehen. Auch beim „Tag der Sporttalente“ auf dem Gelände der KGS Neustadt war Kreiselball dabei. Die Neustädter Zeitung schrieb am 19.09.2025 von „Trendsportarten wie ‚Teqball‘ und ‚Kreiselball‘“.
Außer im Unterricht läuft das Spiel auch in einer AG am Nachmittag oder in der Pause, wo anfangs eine Bank als Netz genügt. Wie ihr so eine AG aufzieht, steht in unserem Beitrag zur Sport-AG an der Schule.
Was andere Trendsportarten an Material und Platz brauchen
Wikipedia führt Pickleball, Padel, Roundnet und Teqball in der Liste der Rückschlagspiele, gleich neben älteren Spielen wie Indiaca und Ringtennis. Für diese Spiele beantworten wir nur die ersten beiden Fragen, also Material und Platz. Wie eine Klasse damit durch die erste Stunde kommt, wissen die Lehrkräfte besser, die sie schon unterrichten.
| Sportart | Material und Platz (laut Wikipedia) | Was das für die Turnhalle heißt |
|---|---|---|
| Pickleball | Schläger und ein hohler, gelochter Ball aus Hartplastik. Das Feld ist so groß wie ein Badmintonfeld. | Wo Badminton geht, passt auch Pickleball in die Halle. |
| Padel | Schläger ohne Bespannung, Feld 20 mal 10 Meter. An den Stirnseiten stehen Mauer oder Glaswand, und die Wände spielen mit. | In einer normalen Turnhalle fehlt der eingefasste Platz. |
| Roundnet | Ein rundes Netz über einem Ring mit rund 90 cm Durchmesser, zwei Teams zu zweit. Keine Spielfeldbegrenzung, kein weiteres Material. | Ein Feld abstecken müsst ihr gar nicht. |
| Teqball | Ein Tisch mit gewölbter Oberfläche, offiziell ein Fußball der Größe 5. Gespielt wird mit jedem Körperteil außer Arm und Hand. | Ohne den eigens dafür gebauten Tisch geht es nicht. |
| Indiaca | Wird mit der flachen Hand geschlagen. | Schläger braucht ihr keine, nur die Indiacas selbst. |
| Ringtennis | Ein Ring aus Moosgummi, kein Schläger. Fangen, Führen und Werfen müssen eine flüssige Bewegung sein. | Diese Bewegung will geübt sein, bevor ein Spiel in Gang kommt. |
Manche dieser Trends sind älter, als man denkt. Pickleball wurde 1965 auf Bainbridge Island erfunden. Der Kölner Sportlehrer Karlhans Krohn sah 1936 an der Copacabana Peteca und brachte das Spiel mit nach Deutschland, als Indiaca verbreitete es sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie neu die neuen Spiele wirklich sind, haben wir in unserem Beitrag über neue Rückschlagsportarten nachgezeichnet.
Häufige Fragen
Welche Trendsportarten passen in den Sportunterricht?
Am leichtesten habt ihr es mit Spielen, die auf ein vorhandenes Hallenfeld passen und keine eigene Anlage brauchen. Kreiselball und Pickleball kommen mit einem Badmintonfeld aus, für Padel braucht es dagegen einen Platz mit Wänden und für Teqball einen eigenen Tisch.
Was kostet Kreiselball für eine Schule?
Für ein Feld im Doppel rechnet ihr mit rund 144 Euro, das sind vier Kreisel zu je etwa 30 Euro und ein Ball zu etwa 24 Euro. Ein Netz müsst ihr am Anfang nicht kaufen, eine Turnbank reicht.
Wie beschäftige ich eine ganze Klasse mit nur einem Feld?
Spielt kurze Durchgänge, etwa bis fünf Punkte, und lasst danach sofort das nächste Doppel aufs Feld. Wer wartet, zählt laut mit oder steht als Linienrichter an der Seite.
Braucht die Lehrkraft für Kreiselball eine Lizenz?
Nein, eine Lizenz braucht ihr nicht. Wer das Spiel vorher erleben will, kann jederzeit beim Training in Neustadt zuschauen und mitspielen.
Wenn ihr Kreiselball mit eurer Klasse ausprobieren wollt, wählt auf der Seite Für Vereine unter „Anfrage“ die Kachel „Schule“ und schreibt uns kurz, wer ihr seid und was ihr vorhabt. Danach bekommt ihr das Regelwerk und unsere Vorlagen für Spielpläne und Ranglisten.
Quellen
- Friedrich Verlag: sportpädagogik 6/2001 „Trendsport“, abgerufen am 08.10.2026
- Friedrich Verlag: sportpädagogik 6/2010 „Trendsport macht Schule“, abgerufen am 08.10.2026
- Niedersächsisches Kultusministerium: Kerncurriculum Sport, Schuljahrgänge 5 bis 10 (2017), abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Rückschlagspiel, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Pickleball, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Padel, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Roundnet, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Teqball, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Indiaca, abgerufen am 08.10.2026
- Wikipedia: Ringtennis, abgerufen am 08.10.2026
- Neustädter Zeitung: „Tag der Sporttalente“ (19.09.2025), abgerufen am 08.10.2026